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Der Condicional im Spanischen: würde, könnte, hätte gern

Magda Aktualisiert am 24 August 2026
Höflich um etwas bitten, einen Wunsch äußern, über ein „was wäre, wenn“ nachdenken: Für all das brauchen Sie im Spanischen den Condicional. Die gute Nachricht vorweg – kaum eine andere Zeitform ist so schnell gelernt. Es gibt nur eine einzige Endungsreihe für alle Verben, und sie wird direkt an den Infinitiv gehängt. Wirklich aufpassen müssen Sie an zwei Stellen: bei den zwölf unregelmäßigen Stämmen und bei den si-Sätzen, in denen der Condicional niemals allein steht. In diesem Kapitel unseres Leitfadens zur spanischen Grammatik gehen wir beides in Ruhe durch.
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Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Der Condicional simple wird gebildet aus Infinitiv + -ía, -ías, -ía, -íamos, -íais, -ían – dieselbe Reihe für -ar, -er und -ir.
  • Nur zwölf Verben haben einen eigenen Stamm (tendría, haría, diría, podría …) – und es sind exakt die Stämme des Futuro simple.
  • Im Alltag ist der Condicional vor allem eine Höflichkeitsform: ¿Podría …?, Me gustaría …, ¿Te importaría …?
  • Nach si steht nie der Condicional, sondern der Imperfecto de subjuntivo: Si tuviera tiempo, viajaría más.
  • Das Condicional compuesto (habría + Partizip) drückt aus, was gewesen wäre – das Partizip bleibt dabei unveränderlich.

Eine einzige Endung für alle Verben

Die meisten spanischen Zeiten verlangen von Ihnen drei Endungsreihen: eine für Verben auf -ar, eine für -er und eine für -ir. Der Condicional gehört zu den wenigen Ausnahmen. Hier gibt es genau eine Reihe, die für jedes Verb im Wörterbuch gilt.

Noch angenehmer ist, dass Sie am Verb selbst nichts verändern müssen. Die Endung wird an den vollständigen Infinitiv gehängt, so wie er im Wörterbuch steht. Aus hablar wird hablaría, aus comer wird comería, aus vivir wird viviría.

  • yo hablaría, comería, viviría
  • tú hablarías, comerías, vivirías
  • él/ella/usted hablaría, comería, viviría
  • nosotros hablaríamos, comeríamos, viviríamos
  • vosotros hablaríais, comeríais, viviríais
  • ellos/ellas/ustedes hablarían, comerían, vivirían

Wie im Deutschen sind die erste und die dritte Person Singular identisch: yo hablaría und él hablaría unterscheiden sich nur durch das Pronomen. Wenn aus dem Zusammenhang nicht klar hervorgeht, wer gemeint ist, setzen Sie das Pronomen besser hinzu.

Tipp: Der Akzent über dem í ist keine Verzierung, sondern Pflicht – und zwar in allen sechs Formen. Kommt Ihnen die Endungsreihe bekannt vor, liegt das übrigens daran, dass es exakt die Endungen des Imperfecto bei den Verben auf -er und -ir sind. Sie haben sie also womöglich längst gelernt, nur an anderer Stelle.

 

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Die zwölf Verben, die einen eigenen Stamm haben

Ganz ohne Unregelmäßigkeiten geht es dann doch nicht, aber die Liste ist kurz und in drei Gruppen sortiert leicht zu behalten. Betroffen sind zwölf Verben, und bei allen zwölf bleiben die Endungen unverändert – es ändert sich nur der Stamm, an den sie angehängt werden.

  • Das e fällt weg: caber → cabría, haber → habría, poder → podría, querer → querría, saber → sabría
  • Der Vokal wird zu d: poner → pondría, salir → saldría, tener → tendría, valer → valdría, venir → vendría
  • Ganz eigene Kurzform: decir → diría, hacer → haría

Diese Arbeit müssen Sie nur einmal machen. Es sind nämlich haargenau dieselben Stämme wie im Futuro simple: Wer tendré (ich werde haben) kennt, kann sofort auch tendría (ich hätte) bilden. Zwei Zeiten für den Preis einer – das kommt im Spanischen selten vor.

 

Wofür Spanischsprachige den Condicional wirklich benutzen

Im Schulunterricht taucht der Condicional meist zuerst in Bedingungssätzen auf. Im Alltag hören Sie ihn aber viel häufiger in einer ganz anderen Rolle, nämlich als Höflichkeitsform. Wer in Spanien etwas bestellt, eine Auskunft braucht oder um einen Gefallen bittet, greift fast automatisch dazu.

Zum Beispiel: ¿Podría ayudarme? (Könnten Sie mir helfen?), Me gustaría un café con leche. (Ich hätte gern einen Milchkaffee.) oder ¿Te importaría cerrar la ventana? (Würde es dir etwas ausmachen, das Fenster zu schließen?) Dasselbe im Präsens – „quiero un café“ – ist zwar nicht falsch, klingt aber deutlich fordernder, als Sie es vermutlich meinen.

Direkt daneben steht der Wunsch, der auf dieselbe Form stützt: Me encantaría vivir en Sevilla. (Ich würde liebend gern in Sevilla leben.) Auch Ratschläge laufen über den Condicional, oft eingeleitet mit yo que tú oder yo en tu lugar: Yo que tú, hablaría con él. (An deiner Stelle würde ich mit ihm reden.)

Und schließlich benutzt das Spanische den Condicional dort, wo das Deutsche zu „wohl“ oder „ungefähr“ greift: für Vermutungen über die Vergangenheit. Serían las tres cuando llegó. heißt „Es war wohl drei Uhr, als er ankam“. Tendría unos veinte años. heißt „Er war ungefähr zwanzig“. Dieselbe Logik gilt im Präsens mit dem Futuro (Serán las tres = Es wird jetzt drei sein), was das ganze System sehr stimmig macht.

 

Si-Sätze: wo der Condicional auf den Subjuntivo trifft

Hier liegt die Stelle, an der die meisten deutschsprachigen Lernenden aus dem Tritt geraten. In einem irrealen Bedingungssatz steht der Condicional nämlich nie im si-Teil, sondern immer nur in der Folge. Der si-Teil bekommt den Imperfecto de subjuntivo.

Zum Beispiel: Si tuviera tiempo, viajaría más. (Wenn ich Zeit hätte, würde ich mehr reisen.) Falsch wäre si tendría tiempo – ein Fehler, den Sie gelegentlich sogar von Muttersprachlern hören, der aber im geschriebenen Spanisch als klarer Verstoß gilt. Die Reihenfolge der beiden Satzteile dürfen Sie dagegen frei tauschen: Viajaría más si tuviera tiempo.

Wenn Ihnen die Formen auf -ara und -iera noch fremd sind, lohnt sich ein Blick in unseren Leitfaden zum Subjuntivo im Spanischen. Diese eine Kombination – Subjuntivo im Wenn-Teil, Condicional in der Folge – ist der Grund, warum sich beide Themen kaum voneinander lernen lassen.

 

Condicional compuesto: was gewesen wäre

Für alles, was hätte passieren können, aber nicht passiert ist, gibt es die zusammengesetzte Form. Sie besteht aus haber im Condicional (habría, habrías, habría, habríamos, habríais, habrían) und dem Partizip.

Zum Beispiel: Habría venido, pero no tenía coche. (Ich wäre gekommen, aber ich hatte kein Auto.) In Bedingungssätzen verschiebt sich dann auch die andere Satzhälfte um eine Stufe nach hinten: Si hubiera estudiado, habría aprobado. (Wenn ich gelernt hätte, hätte ich bestanden.) Das Muster ist dasselbe wie oben, nur eine Zeitebene tiefer.

Praktisch daran ist, dass das Partizip hier unveränderlich bleibt. Anders als im Französischen oder Italienischen müssen Sie es nicht an das Subjekt angleichen: Ella habría venido, nicht venida.

 

Drei Dinge, die Sie nicht aus dem Deutschen übernehmen sollten

Der erste Reflex ist meist der hartnäckigste: Das Deutsche baut den Konjunktiv gern mit „würde“ plus Infinitiv, also mit zwei Wörtern. Das Spanische braucht dafür nur eines. Ein Hilfsverb hat im Condicional simple nichts zu suchen; hablaría ist bereits die vollständige Form.

Der zweite Punkt betrifft quererFür eine höfliche Bitte hören Sie in Spanien seltener „querría“ als „quería“ (Imperfecto) oder „quisiera“ (Imperfecto de subjuntivo): Quisiera reservar una mesa. Alle drei sind korrekt; „quisiera“ wirkt am förmlichsten und passt gut im Hotel oder im Restaurant.

Und drittens: Das deutsche „hätte“ und „wäre“ decken Vergangenes wie Gegenwärtiges ab, das Spanische unterscheidet hier sauber. „Ich hätte gern“ ist me gustaría (Gegenwart), „ich hätte kommen sollen“ dagegen habría debido venir (Vergangenheit). Wer das einmal trennt, vermeidet die häufigste Verwechslung zwischen den beiden Condicional-Formen.

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Mein Tipp als spanische Muttersprachlerin: Achten Sie einmal darauf, wie oft wir den Condicional für reine Vermutungen benutzen. Wenn jemand fragt, wann der Nachbar gestern nach Hause gekommen ist, sagt bei uns kaum jemand „Ich weiß es nicht“ – wir sagen Serían las once, „es wird so elf gewesen sein“. Diese kleine Angewohnheit macht im Gespräch mehr aus, als sie aussieht: Sie klingen damit sofort weniger nach Lehrbuch und mehr nach jemandem, der die Sprache tatsächlich spricht.

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Woran Sie am schnellsten merken, dass es sitzt

Die Bildung des Condicional ist an einem Nachmittag gelernt, die zwölf unregelmäßigen Stämme an einem zweiten. Der eigentliche Fortschritt zeigt sich später, und zwar an einer sehr konkreten Stelle: wenn Sie in einer Bar nicht mehr „quiero“ sagen, sondern „me pondría“ oder „me gustaría“, ohne vorher darüber nachzudenken.

Nehmen Sie sich für den Anfang zwei oder drei Sätze vor, die Sie ohnehin oft brauchen – eine Bestellung, eine Frage nach dem Weg, eine Bitte um einen Gefallen. Weitere Formulierungen für den Alltag finden Sie in unserer Sammlung spanischer Sätze für den täglichen Gebrauch. Und falls Sie beim nächsten Mal Serían las tres sagen, statt zu schweigen, hat sich dieses Kapitel bereits bezahlt gemacht.