Das Wichtigste auf einen Blick:
- Das Imparfait ist die Vergangenheitszeit für Beschreibungen, Gewohnheiten und andauernde Handlungen – es setzt die „Kulisse“ der Geschichte.
- Die Bildung ist erfreulich regelmäßig: Stamm der nous-Form im Präsens nehmen und die Endungen -ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient anhängen.
- Nur être ist wirklich unregelmäßig (Stamm ét-); bei Verben auf -ger und -cer gibt es kleine Schreibanpassungen.
- Imparfait oder passé composé? Andauernder Hintergrund und Wiederholung → Imparfait; einmalige, abgeschlossene Ereignisse → passé composé.
- Signalwörter wie autrefois, souvent, tous les jours oder pendant que verraten fast immer das Imparfait.
Was ist das Imparfait – und wann brauchen Sie es?
Stellen Sie sich vor, Sie erzählen von einem Sommer in Ihrer Kindheit: Die Sonne schien, Sie spielten jeden Nachmittag im Garten, und niemand hatte es eilig. Für genau solche Sätze gibt es im Französischen das Imparfait. Es ist die Vergangenheitszeit der Beschreibungen, Gewohnheiten und Handlungen, die gerade im Gange waren.
Anders als das passé composé beantwortet das Imparfait nicht die Frage „Was geschah dann?“, sondern „Wie war es?“ Es malt die Kulisse einer Geschichte, während andere Zeiten die eigentlichen Ereignisse liefern. Wenn Sie das einmal verinnerlicht haben, wird die Zeitform überraschend logisch. Und die gute Nachricht vorweg: Bei der Bildung ist das Imparfait eine der regelmäßigsten Zeiten überhaupt.
Das Imparfait bilden: eine Regel für fast alle Verben
Es gibt einen einzigen Trick, mit dem Sie das Imparfait von praktisch jedem Verb bilden können. Sie nehmen die nous-Form im Präsens, streichen die Endung -ons und hängen an den so gewonnenen Stamm die Imparfait-Endungen an. Das funktioniert bei regelmäßigen und bei den meisten unregelmäßigen Verben gleichermaßen.
Beispiel: parler (sprechen) → nous parlons → Stamm parl- → je parlais. Oder finir (beenden) → nous finissons → Stamm finiss- → je finissais. Selbst ein unregelmäßiges Verb wie faire folgt der Regel: nous faisons → je faisais.
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Die Endungen des Imparfait
Die Endungen sind für alle Verben identisch – das müssen Sie sich nur ein einziges Mal merken:
- je → -ais (je parlais)
- tu → -ais (tu parlais)
- il/elle/on → -ait (il parlait)
- nous → -ions (nous parlions)
- vous → -iez (vous parliez)
- ils/elles → -aient (ils parlaient)
Achten Sie auf die Aussprache: -ais, -ait und -aient klingen alle gleich, nämlich wie ein offenes „ä“. Man hört den Unterschied also nicht, man sieht ihn nur in der Schrift.
Ausnahmen und kleine Besonderheiten
Wirklich unregelmäßig ist im Imparfait nur ein einziges Verb: être (sein). Sein Stamm lautet ét-, also j’étais, tu étais, il était, nous étions, vous étiez, ils étaient. Weil être als Hilfsverb ständig verwendet wird, lohnt es sich, diese Formen korrekt zu automatisieren.
Bei zwei Verbgruppen gibt es außerdem eine kleine Schreibanpassung, damit die Aussprache stimmt. Verben auf -ger behalten vor a ihr e (manger → je mangeais), Verben auf -cer bekommen eine Cédille (commencer → je commençais). In der nous- und vous-Form verschwindet das jeweils wieder, weil dort ein i folgt: nous mangions, vous commenciez.
Die wichtigsten Anwendungen des Imparfait
Damit Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wann das Imparfait die richtige Wahl ist, hilft es, seine typischen Einsatzbereiche zu kennen. Fast alle lassen sich unter dem Gedanken „Hintergrund statt Ereignis“ zusammenfassen.
Beschreibungen und Kulisse
Alles, was einen Zustand, das Wetter, ein Gefühl, das Aussehen oder das Alter in der Vergangenheit schildert, steht im Imparfait. Zum Beispiel: Il faisait beau et les rues étaient calmes. (Das Wetter war schön und die Straßen waren ruhig.) Auch Uhrzeit und Alter gehören hierher: Il était huit heures oder Quand j’avais dix ans ….
Gewohnheiten und Wiederholungen
Handlungen, die sich in der Vergangenheit regelmäßig wiederholten, verlangen ebenfalls das Imparfait. Im Deutschen greifen wir hier oft zu „früher“, „immer“ oder „jeden Tag“. Beispiel: Chaque été, nous allions chez nos grands-parents. (Jeden Sommer fuhren wir zu unseren Großeltern.)
Andauernde Handlungen
Wenn eine Handlung gerade lief und dabei von einem anderen Ereignis unterbrochen wurde, steht die laufende Handlung im Imparfait. Beispiel: Je dormais quand le téléphone a sonné. (Ich schlief, als das Telefon klingelte.) Der Hintergrund („ich schlief“) ist Imparfait, das plötzliche Ereignis („klingelte“) das passé composé.
Höfliche Vorschläge und Wünsche
Schließlich sorgt das Imparfait für Höflichkeit. Mit Si on allait au cinéma ? (Wie wäre es, wenn wir ins Kino gingen?) machen Sie einen freundlichen Vorschlag. Diese Verwendung wirkt weicher und einladender als eine direkte Frage.
Imparfait oder passé composé? Der entscheidende Unterschied
Die größte Hürde ist selten die Bildung, sondern die Wahl zwischen Imparfait und passé composé. Ein einfaches Bild hilft: Das passé composé ist das Foto eines abgeschlossenen, einmaligen Ereignisses, das Imparfait ist der Film, der im Hintergrund weiterläuft.
Vergleichen Sie: Quand je suis arrivé, il pleuvait. (Als ich ankam, regnete es.) Die Ankunft ist ein punktuelles Ereignis – passé composé. Der Regen ist der andauernde Hintergrund – Imparfait. Beide Zeiten stehen oft im selben Satz und ergänzen sich, statt sich auszuschließen.
Ein paar Signalwörter verraten Ihnen fast immer das Imparfait: autrefois (früher), souvent (oft), toujours (immer), tous les jours (jeden Tag) und pendant que (während). Tauchen sie auf, denken Sie zuerst an das Imparfait.
Mein Tipp als französische Muttersprachlerin: Übersetzen Sie nicht Wort für Wort aus dem Deutschen, sondern fragen Sie sich bei jedem Satz „Beschreibe ich eine Situation oder erzähle ich, was passiert ist?“ Beschreibung und Dauer → Imparfait, konkretes Ereignis → passé composé.
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Deutschsprachige Lernende stolpern vor allem an einer Stelle: Im Deutschen gibt es nur ein Präteritum, im Französischen müssen Sie zwischen zwei Vergangenheitszeiten wählen. „Ich ging“ kann je nach Kontext „je suis allé“ oder „j’allais“ bedeuten. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die deutsche Zeitform, sondern auf die Bedeutung.
Ein zweiter häufiger Fehler betrifft die Hilfsverben. Weil avoir und être so oft vorkommen, lohnt es sich, ihre Imparfait-Formen sicher zu beherrschen – mehr dazu in unserem Artikel über avoir und être im Französischen. Und drittens: Vergessen Sie die kleinen Schreibanpassungen bei -ger– und -cer-Verben nicht.
Tipp: Lesen Sie kurze französische Geschichten oder Kindheitserinnerungen. Dort wimmelt es von Imparfait-Formen, weil solche Texte fast durchgehend beschreibend sind. So prägt sich der Rhythmus der Zeitform ganz nebenbei ein.
So wird das Imparfait zur zweiten Natur
Das Imparfait ist kein Grund zur Sorge: Die Bildung folgt einer einzigen Regel, und die Verwendung dreht sich fast immer um denselben Gedanken – um Hintergrund, Dauer und Gewohnheit statt um einmalige Ereignisse. Wenn Sie beim Sprechen kurz innehalten und sich fragen, ob Sie beschreiben oder erzählen, treffen Sie die richtige Wahl schneller, als Sie denken. Wer die Formen dann noch mit ein paar Französischübungen festigt, hat das Imparfait bald im Gefühl.
Erzählen Sie uns in den Kommentaren von Ihrem letzten Sommer auf Französisch – natürlich im Imparfait. Wenn Sie eine Frage haben, stellen Sie sie einfach unten!



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