Mehrsprachige Familien sind auch in Deutschland, in Österreich oder in der Schweiz keine Seltenheit. Oftmals haben Kinder ein Elternteil, das aufgrund seiner Herkunft eine andere Sprache mit ihnen spricht. In vielen Fällen werden zuhause sogar zwei Fremdsprachen gesprochen (häufig in der von vielen Eltern bevorzugten OPOL-Version) und die Kinder wachsen von klein an dreisprachig auf!

mehrsprachige Familien

Es gibt aber auch mehrsprachige Familien, in welchen bereits die Eltern bilingual erzogen wurden. Manch ein Elternteil steht vor dem Dilemma, wie es seine zweite Muttersprache an seine Kinder weitergeben soll. Dazu wollen wir Ihnen heute ein paar Tipps geben.

 

Mehrsprachige Erziehung: bilinguale, trilinguale und multi-linguale Familien

Vielleicht zögern Sie noch beim Gedanken, Ihrem Kind Ihre Muttersprache zu vermitteln (vor allem, wenn Sie in einem anderen Land leben)? Lesen Sie sich unbedingt noch einmal die Argumente aus unserem Beitrag „Warum sollte man sein Kind zweisprachig aufwachsen lassen?“ durch. Es gibt eine ganze Menge Gründe, die dafür sprechen! Oder aber Sie haben bereits selbst eine zweisprachige Erziehung genossen und möchten Ihrem Kind oder Ihren Kindern auch Ihre zweite Muttersprache mit auf den Weg geben.

Viele zweisprachige Eltern haben Schwierigkeiten damit, Ihre Kinder in Ihre Minderheitensprache (die Sprache, die nicht von Ihrem Umfeld gesprochen wird) einzuweihen. Zweifel an den eigenen Sprachkenntnissen treten zum Vorschein, oder es fühlt sich einfach seltsam an, wieder in der zweiten Muttersprache zu sprechen. Wenn auch Sie sich in der gerade beschriebenen Situation befinden, dann lesen Sie doch einmal unsere Tipps zu diesem Thema:

 

Tipp #1: Machen Sie sich keinen Druck

Mit diesem Beitrag möchte ich Sie dazu motivieren Ihrem Nachwuchs Ihre zweite Muttersprache zu vermitteln. Besonders wenn es sich um Ihr erstes Kind handelt, kommt in den ersten Wochen und Monaten allgemein sehr viel Neues auf Sie zu. Machen Sie sich also, was das Sprachenlernen angeht, nicht verrückt! Wenn Sie selbst zweisprachig sind, fühlen Sie erst einmal nach, was Ihre beiden Muttersprachen für Sie bedeuten (ohne zu urteilen). 

Sie werden vermutlich bald einen Favoriten identifizieren können. Vielleicht ist diese Sprache aber auch die gleiche, in der Sie mit Ihrer/m Partner/in kommunizieren oder die in Ihrem Umfeld gesprochen wird. Dann werden Sie sich vielleicht doch für die Sprache entscheiden, die ausschließlich von Ihnen gesprochen wird. Je nachdem, wie wohl Sie sich selbst noch in dieser Sprache fühlen, kann es sein, dass Sie auf gewisse Anlaufschwierigkeiten stoßen. Lassen Sie sich bitte Zeit und seien Sie mit sich und mit Ihrem neuen Familienmitglied geduldig! Sie werden überrascht sein, wie unglaublich motivierend die auch noch so kleinen Fortschritte Ihres Nachwuchses auf Sie wirken werden!

 

Tipp #2: Kinderreime, Lieder und Verse für mehrsprachige Familien

Ganz gleich, ob Sie in der Sprache Ihrer Wahl einen Kindergarten oder eine Schule besucht haben. Kinderreime, Lieder und lustige Verse (zum Beispiel, um sich die Wochentage zu merken oder um Zählen zu lernen) kennen Sie bestimmt. Nehmen Sie sich Kinderreime, Lieder und Verse zur Hilfe, wenn Sie Ihr Kind spielerisch in Ihre zweite Muttersprache einweihen möchten.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, mit Ihrem Kind in Ihren beiden Muttersprachen zu kommunizieren, dann hilft es, wenn Sie sich für die Anwendung der Time and Place-Strategie entscheiden. Sie können zu bestimmten Tageszeiten und -ritualen (Zähne putzen und Zu-Bett-Gehen oder Schuhe binden/Anziehen und dann Spazierengehen) immer die gleiche Sprache sprechen. Gewiss wird eine der Sprachen immer kürzer kommen. Erfolg können Sie sich erhoffen, wenn Sie es schaffen, mit Ihrem Kind mindestens 15 Stunden/Woche in der Zweitsprache zu kommunizieren.

 

Tipp #3: Mehrsprachige Familien: Kinderbücher nutzen

Ein weiteres, wunderbares Hilfsmittel, um Ihren Kindern eine zusätzliche Sprache beizubringen, sind Kinderbücher. Fragen Sie doch einmal bei den frisch gebackenen Großeltern nach. Womöglich haben diese noch das eine oder andere Buch aus Ihrer eigenen Kindheit aufbewahrt. Gemeinsames Lesen ist ein ideales Mittel, um den Wortschatz zusätzlich zu erweitern, denn die Literatur hält nun mal immer noch neue, und von Ihnen selbst weniger häufig verwendete Begriffe, bereit. So verhelfen Sie Ihrem Kind zu mehr Vokabular und einer weiteren Sprache.

 

Tipp #4: Gleichsprachige mehrsprachige Familien finden

Als unser Sohn in Irland zur Welt kam, habe ich mir nicht träumen lassen, dort eine deutschsprachige Krabbelgruppe zu finden! Tatsächlich wurde genau diese sehr schnell zu unserem wöchentlichen Lieblingstreff 😉 Ein toller Nebeneffekt zum Spielen und Singen auf Deutsch war, dass ich selbst mich mit gleichsprachigen Eltern auf Deutsch austauschen konnte. Das war besonders am Anfang meines Mama-Daseins sehr hilfreich. 

Mein Freund und ich ziehen unsere Kinder auf Polnisch (meiner zweiten Muttersprache) und Spanisch (seiner Muttersprache) auf. Deutsch kommt (über mich) als Bonussprache dazu. In letzter Zeit halten wir uns viel in Warschau auf, wo wir Freundschaften mit mehreren spanischsprachigen Familien geknüpft haben. Ich bin der Meinung, dass der Kontakt mit Gleichsprachigen ein sehr wichtiges und zugleich besonders schönes Hilfsmittel ist (für Kinder und Eltern in gleichem Maße!).

 

Tipp #5: Genießen Sie es!

Es mag ja sein, dass Sie trotz Nachwuchs im Haus immer noch nichts mit Kinderliedern und Feuerwehrauto-Büchern anfangen können. An den ersten Punkt anknüpfend, möchte ich noch einmal betonen, dass Sie sich und Ihren Kindern einen Gefallen tun, wenn Sie vom Pflichtprogramm Abstand nehmen. Es geht bei der ersten, zweiten, (dritten, vierten…) Muttersprache nicht ums Vokabelbüffeln, Goethe-/Cervantes-/Shakespeare-Romane-Wälzen – seien Sie ganz Sie selbst, während Sie Ihr(e) Kind(er) mit auf Entdeckungstour nehmen und Ihnen Ihre Kultur und Sprache zeigen.

 

Was Sie noch zu dem Thema Zweisprachigkeit wissen sollten:

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Viel Spaß beim Lernen!