Das Wichtigste auf einen Blick:
- Das Plus-que-parfait ist die Vorvergangenheit: eine Handlung, die vor einer anderen Vergangenheitshandlung abgeschlossen war.
- Gebildet wird es mit dem Imparfait von avoir oder être plus dem participe passé – wie das passé composé, nur mit dem Hilfsverb im Imparfait.
- Hilfsverb-Wahl (avoir oder être) und Angleichung des Partizips folgen denselben Regeln wie beim passé composé.
- Typische Einsätze: die Reihenfolge zweier Ereignisse, die indirekte Rede und si-Sätze des Bedauerns.
- Deutschsprachige verwechseln es leicht mit dem passé composé – das Plus-que-parfait ist immer der frühere Schritt auf der Zeitachse.
Was ist das Plus-que-parfait?
Das Plus-que-parfait ist die französische Vorvergangenheit – auf Deutsch entspricht es dem Plusquamperfekt („ich hatte gemacht“, „ich war gegangen“). Es beschreibt eine Handlung, die bereits abgeschlossen war, bevor eine zweite Handlung in der Vergangenheit begann. Stellen Sie sich eine Zeitachse vor: Auf ihr liegt das Plus-que-parfait immer weiter links, also weiter zurück, während das passé composé oder das imparfait das spätere Ereignis markiert.
Plus-que-parfait –> passé composé / imparfait
Ein Beispiel macht das sofort klar: Quand je suis arrivé, le train était déjà parti. (Als ich ankam, war der Zug schon abgefahren.) Das Abfahren („était parti„) geschah vor dem Ankommen („je suis arrivé„) – deshalb steht es im Plus-que-parfait.
So bilden Sie das Plus-que-parfait
Die gute Nachricht zuerst: Wenn Sie das passé composé beherrschen, kennen Sie die Bauteile schon. Das Plus-que-parfait besteht aus zwei Elementen:
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- dem Hilfsverb avoir oder être im Imparfait,
- und dem participe passé (Partizip II) des Hauptverbs.
Die Formel lautet also: avoir/être (Imparfait) + participe passé. Der einzige Unterschied zum passé composé ist, dass das Hilfsverb nicht im Präsens (j’ai, je suis), sondern im Imparfait (j’avais, j’étais) steht.
Zum Beispiel:
- parler → j’avais parlé (ich hatte gesprochen)
- finir → tu avais fini (du hattest beendet)
- partir → il était parti (er war gegangen)
- se lever → nous nous étions levés (wir hatten uns erhoben)
Avoir oder être? Die Wahl des Hilfsverbs
Ob Sie avoir oder être verwenden, richtet sich nach denselben Regeln wie beim passé composé. Die meisten Verben nehmen avoir. Mit être stehen dagegen die Bewegungs- und Zustandsänderungsverben (aller, venir, partir, arriver, rester, devenir …) sowie alle reflexiven Verben. Wer beim passé composé sicher „je suis allé“ statt „j’ai allé“ sagt, macht im Plus-que-parfait automatisch alles richtig: „j’étais allé„.
Die Angleichung des Partizips
Auch die Regeln zur Angleichung (accord) des Partizips bleiben unverändert. Mit être passt sich das Partizip in Geschlecht und Zahl dem Subjekt an: elle était partie, ils étaient partis. Mit avoir bleibt das Partizip unverändert – außer, ein direktes Objekt steht davor.
Tipp: Betrachten Sie das Plus-que-parfait einfach als „passé composé mit Imparfait-Hilfsverb“. Dann müssen Sie keine neue Angleichungsregel lernen, sondern nur eine, die Sie bereits kennen.
Ein Verb durchkonjugiert
Sehen wir uns das Plus-que-parfait einmal komplett an – links ein Verb mit avoir (manger, essen), rechts eines mit être (aller, gehen):
- j’avais mangé – j’étais allé(e)
- tu avais mangé – tu étais allé(e)
- il/elle avait mangé – il/elle était allé(e)
- nous avions mangé – nous étions allé(e)s
- vous aviez mangé – vous étiez allé(e)s
- ils/elles avaient mangé – ils/elles étaient allé(e)s
Sie sehen: Nur das Hilfsverb wird durchkonjugiert (avais, avait, avions …), das Partizip bleibt gleich – bei être passt es sich zusätzlich an das Subjekt an. Wenn Sie eine dieser Formen laut vorlesen, prägt sich das Muster schneller ein als beim stillen Lesen.
Wann verwendet man das Plus-que-parfait?
Das Plus-que-parfait taucht immer dann auf, wenn Sie zwei Vergangenheitsebenen sauber voneinander unterscheiden wollen. Diese vier Fälle decken den Großteil ab.
1. Die Reihenfolge zweier Ereignisse
Der häufigste Einsatz: Ein Ereignis liegt zeitlich vor einem anderen. Das Frühere steht im Plus-que-parfait, das Spätere im passé composé oder imparfait.
Zum Beispiel: Elle a compris qu’elle avait oublié son passeport. (Sie merkte, dass sie ihren Pass vergessen hatte.)
2. In der indirekten Rede
Wenn Sie berichten, was jemand über eine noch frühere Handlung gesagt hat, brauchen Sie oft das Plus-que-parfait.
Zum Beispiel: Il a dit qu’il avait déjà mangé. (Er sagte, er habe schon gegessen.)
3. In si-Sätzen des Bedauerns
Nach si drückt das Plus-que-parfait ein Bedauern oder einen unerfüllten Wunsch aus – oft zusammen mit dem conditionnel passé im Hauptsatz.
Zum Beispiel: Si j’avais su, je serais venu plus tôt. (Hätte ich es gewusst, wäre ich früher gekommen.) Auch die Formel „si seulement j’avais …“ steht für „wenn ich nur … hätte“.
4. Für gewohnheitsmäßig Vorzeitiges
Manchmal beschreibt es eine wiederholte Handlung, die jeweils vor einer anderen stattfand.
Zum Beispiel: Chaque fois qu’il avait fini son travail, il sortait se promener. (Jedes Mal, wenn er seine Arbeit beendet hatte, ging er spazieren.)
Plus-que-parfait, passé composé oder imparfait?
Diese drei Vergangenheitszeiten zu trennen, ist für Deutschsprachige die eigentliche Hürde. Eine einfache Faustregel hilft:
- Das passé composé erzählt eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit.
- Das imparfait beschreibt den Rahmen, Gewohnheiten oder Zustände.
- Das Plus-que-parfait rückt eine Handlung noch weiter zurück – vor die beiden anderen.
Zum Beispiel: Il pleuvait, je suis rentré, car j’avais oublié mon parapluie. (Es regnete, ich ging nach Hause, denn ich hatte meinen Regenschirm vergessen.) Drei Ebenen in einem Satz: der Rahmen (imparfait), das Ereignis (passé composé) und das noch frühere Ereignis (plus-que-parfait).
Mein Tipp als französische Muttersprachlerin: Denken Sie beim Plus-que-parfait an eine Rückblende im Film. Sobald Sie in einer Geschichte kurz „zurückspulen“ und erklären, was zuvor passiert war, verlangt das Französische fast automatisch diese Zeit. Ich rate meinen Lernenden, kleine Mini-Geschichten in drei Ebenen zu bauen – Rahmen, Ereignis, Vorereignis –, dann sitzt der Unterschied zwischen imparfait, passé composé und plus-que-parfait viel schneller, als wenn man Tabellen auswendig lernt.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Ein typischer Stolperstein für Deutschsprachige ist, das Hilfsverb im Präsens stehen zu lassen. „J’ai parlé“ ist passé composé, „j’avais parlé“ ist Plus-que-parfait – der Unterschied liegt nur im Hilfsverb, entscheidet aber über die Zeitebene.
Ein zweiter Fehler ist, das falsche Hilfsverb zu wählen. Da avoir und être hier genauso funktionieren wie im passé composé, lohnt es sich, diese Grundlage wirklich zu festigen.
Und schließlich: Vergessen Sie die Angleichung mit être nicht. „Elle était parti“ ist falsch – richtig ist „elle était partie„.
Mit ein wenig Übung wird das Plus-que-parfait schnell zum verlässlichen Werkzeug, um Geschichten auf Französisch klar und lebendig zu erzählen. Wenn Sie Ihre Grundlagen auffrischen möchten, finden Sie viele weitere Tipps in unserem Leitfaden „Französisch für Anfänger“.
In welchem Satz hat Sie die französische Vorvergangenheit zuletzt ins Grübeln gebracht? Schreiben Sie es uns in die Kommentare!



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