Das Wichtigste auf einen Blick:
- Salute und cin cin heißen beide „Prost“ – salute ist die etwas festlichere, cin cin die lockere Alltagsvariante.
- Cin cin spricht sich „tschin tschin“, nicht „kin kin“: italienisches c vor i und e klingt immer wie tsch.
- Salute bedeutet wörtlich „Gesundheit“ – dasselbe Wort sagt man in Italien auch, wenn jemand niest.
- Beim Anstoßen gilt: Blickkontakt halten, Arme nicht kreuzen und niemals mit Wasser anstoßen.
- Für Feiern gibt es alla nostra, alla salute und cent’anni – und il brindisi als Wort für den Trinkspruch selbst.
Salute oder cin cin? Die kurze Antwort
Beide Wörter sind richtig und bedeuten jeweils „Prost“. Der Unterschied liegt nicht in der Bedeutung, sondern im Ton. Wer das einmal verstanden hat, muss in Italien nie wieder raten.
- Salute! – wörtlich „Gesundheit!“. Die etwas gehaltvollere Variante. Sie passt immer: unter Freunden, mit Kollegen, bei einem Glas Wein zum Essen. Wenn Sie sich nur ein Wort merken wollen, dann merken Sie sich dieses.
- Cin cin! – der lautmalerische Klang zweier Gläser. Locker, fröhlich, ein bisschen verspielt. Unter Freunden hören Sie es ständig, bei einer offiziellen Rede eher nicht.
In der Praxis fallen oft beide hintereinander: Jemand hebt das Glas und sagt salute, und während die Gläser sich berühren, murmelt der Rest der Runde cin cin. Ein Fehler ist keine der beiden Formeln, solange Sie den Anlass nicht völlig verfehlen – ein cin cin bei einer Trauerfeier wäre unpassend, ein salute beim Feierabendbier dagegen nie.
Cin cin: ein Wort, das aus China nach Italien kam
Die meisten Italiener halten cin cin für reine Lautmalerei – für den Klang, den zwei Gläser machen. Die gängige sprachwissenschaftliche Erklärung ist allerdings eine andere und deutlich reisefreudiger.
Sie führt das Wort auf das chinesische qǐng qǐng (请请) zurück, eine höfliche Aufforderungsformel, die man mit „bitte, bitte“ übersetzen kann. Europäische Seeleute und Kaufleute brachten den Ausdruck im 19. Jahrhundert aus den Häfen Südchinas mit, über das Englische wurde daraus chin-chin, und im Italienischen setzte sich die Schreibweise cin cin durch. Dass das Wort zufällig auch noch wie klirrendes Glas klingt, hat für den Rest gesorgt.
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Für Sie ist das mehr als eine Anekdote am Tisch: Solche Wanderwörter sind erstaunlich gute Gedächtnisanker. Ein Wort, an dem eine Geschichte hängt, bleibt fast von selbst hängen, während eine nackte Vokabelgleichung „Prost = cin cin“ nach zwei Tagen wieder weg ist. Ein praktischer Hinweis am Rande: In Japan sollten Sie cin cin lieber nicht rufen. Die Lautfolge klingt dort nach einem umgangssprachlich-vulgären Wort, weshalb italienische Reisende in Japan bewusst auf „salute“ ausweichen.
Salute: derselbe Wunsch wie beim Niesen
Hinter salute steckt das ganz normale italienische Wort für Gesundheit. Sie wünschen Ihrem Gegenüber also nichts anderes als das, was im deutschen „Zum Wohl“ steckt – nur eben in einem einzigen Wort. Daraus folgt eine Kleinigkeit, die Ihnen sofort Sympathien einbringt: Dasselbe Salute! sagt man in Italien auch, wenn jemand niest. Wo wir „Gesundheit“ rufen, ruft man dort Salute!, und die Antwort darauf lautet Grazie. Eine Vokabel, zwei Alltagssituationen – ein besseres Verhältnis von Aufwand und Ertrag bekommen Sie selten.
Etwas förmlicher wird es mit „Alla salute!“, „Auf die Gesundheit“. Diese Form hören Sie, wenn jemand kurz das Wort ergreift, etwa bei einem Geburtstag oder einem Abschied. Und wenn es ausdrücklich um die anwesende Runde gehen soll, sagt man „Alla nostra!“ – „auf uns“.
Zum Beispiel: Bei einer Familienfeier steht der Gastgeber auf, hebt das Glas und sagt: „Alla salute di Marco!“ Alle anderen antworten mit einem kurzen Salute! und stoßen an. Wollen Sie mitmachen, ohne aufzufallen, dann reicht genau dieses eine Wort völlig aus.
Die Aussprache: an cin cin scheitern fast alle
Geschrieben sieht cin cin harmlos aus, und genau darin liegt die Falle. Deutsche Ohren lesen ein „c“ und machen daraus ein „k“ – auf Italienisch ist das aber schlicht ein anderer Laut. Cin cin spricht sich „tschin tschin“. Das italienische c wird vor i und e immer zum „tsch“, so wie in ciao, cena oder cinema. Vor a, o und u bleibt es dagegen hart wie in casa. Wer „kin kin“ sagt, wird zwar verstanden, outet sich aber im selben Moment als Anfänger.
Salute ist entspannter, hat aber eine Betonungsfalle: sa-LU-te, mit dem Ton auf der mittleren Silbe und einem hörbaren e am Ende. Nicht sa-lut nach französischem Muster und nicht SA-lu-te mit dem Ton vorne. Alle drei Silben werden ausgesprochen, keine davon wird verschluckt.
Mein Tipp als italienische Muttersprachlerin: Wenn Sie sich das „tsch“ in „cin cin“ einmal richtig merken, haben Sie nebenbei eine der wichtigsten Ausspracheregeln des Italienischen mitgenommen. C vor i oder e klingt immer wie in „Ciao“. Ich sage meinen Lernenden gern: Denken Sie an „ciao“, bevor Sie ein Wort mit „ci“ oder „ce“ aussprechen – cena, cinque, dolce, arrivederci. Mit diesem einen Trick klingen Sie sofort italienischer, und zwar nicht nur beim Anstoßen.
Vier Regeln, an denen Italiener Sie sofort erkennen
Das Wort ist der leichte Teil. Was am italienischen Tisch wirklich zählt, ist der Ablauf – dazu gibt es ein paar ungeschriebene Regeln, die jeder kennt und niemand erklärt.
Erstens: Blickkontakt. Man sieht sich beim Anstoßen in die Augen, und zwar mit jeder Person einzeln, mit der man das Glas berührt. Der schnelle Rundumblick über den Tisch zählt nicht. In einer größeren Runde dauert das ein paar Sekunden länger, und genau die nimmt man sich.
Zweitens: niemals mit Wasser anstoßen. Das gilt in Italien als ausgesprochen schlechtes Omen – brindare con l’acqua porta sfortuna, mit Wasser anzustoßen bringt Unglück. Wenn Sie keinen Alkohol trinken, ist das kein Problem: Nehmen Sie ein Glas mit Saft, Limonade oder Mineralwasser in die Hand, heben Sie es mit, und lassen Sie das Klirren einfach aus. Niemand wird Ihnen das übelnehmen, das demonstrative Anstoßen mit purem Wasser dagegen schon.
Drittens: die Arme nicht kreuzen. Wenn zwei Personen über die Gläser zweier anderer hinweg anstoßen, entsteht ein Kreuz – auch das gilt als Unglücksbringer. In der Praxis heißt das: kurz warten, bis der Weg frei ist, statt quer über den Tisch zu greifen.
Viertens: Nach dem Anstoßen wird getrunken. Erst heben alle, dann wird gesprochen, und dann nimmt jeder einen Schluck. Das Glas anzustoßen und es dann unberührt abzustellen, wirkt in Italien seltsam abweisend.
Tipp: Merken Sie sich die Reihenfolge als kleine Kette – heben, ansehen, anstoßen, trinken. Wenn Sie unsicher sind, schauen Sie einfach auf die Person neben Ihnen und machen Sie es eine Sekunde später nach. Am italienischen Tisch geht sowieso niemand allein voran, und Sie haben immer ein Vorbild in Reichweite.
Wenn es feierlicher wird: brindisi und cent’anni
Für den Trinkspruch selbst hat das Italienische ein eigenes Wort: il brindisi. Und dazu das Verb brindare, anstoßen. Facciamo un brindisi! heißt „Lasst uns anstoßen!“ und ist der Satz, mit dem in Italien eine kleine Rede eingeleitet wird.
Ein letzter Klassiker für den Alltag ist „Alla tua!“ beziehungsweise „Alla vostra!“ – „Auf dein Wohl“ und „auf euer Wohl“. Damit richten Sie den Toast ausdrücklich an eine bestimmte Person oder Gruppe, statt allgemein anzustoßen.
Diese Formeln fallen fast immer beim Essen, also genau dort, wo Sie ohnehin am meisten Italienisch brauchen. Wenn Sie den Rest der Tischsituation mitnehmen möchten, von der Bestellung bis zur Rechnung, finden Sie den passenden Wortschatz in unserem Artikel über Essen auf Italienisch.
Ein Wort für heute Abend
Wenn Sie sich aus diesem Artikel eine einzige Sache mitnehmen, dann diese: Salute funktioniert immer, und cin cin spricht sich „tschin tschin“. Alles Weitere – die Blicke, die gekreuzten Arme, das Wasserglas – lernen Sie ohnehin am schnellsten, indem Sie eine Runde lang zuschauen. Und weil cin cin ohnehin schon das „tsch“ mitbringt: Der nächste logische Schritt ist das berühmteste italienische Wort mit demselben Laut. Wie Sie Hallo auf Italienisch sagen – und warum ciao nicht in jeder Situation passt – haben wir separat aufgeschrieben.
Übrigens ist Italien mit seinen Tischregeln kein Einzelfall. Auch beim Prost auf Französisch entscheidet weniger die Vokabel als das, was drumherum passiert. Was steht bei Ihnen im Glas, wenn Sie das nächste Mal cin cin sagen – Aperol, Barolo oder doch ein Espresso danach? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.



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