Das Wichtigste auf einen Blick:
- Kanpai (乾杯) ist das Standard-Prost in Japan und bedeutet wörtlich „trockener Becher“.
- Gesprochen wird es eher kam-pai: Das n vor dem p klingt wie ein m.
- Getrunken wird erst nach dem gemeinsamen kanpai – vorher bleibt das Glas unberührt.
- In Japan schenkt man anderen ein, nie sich selbst.
- Beim Anstoßen mit Ranghöheren halten Sie Ihr Glas etwas tiefer.
Kanpai: was das Wort wörtlich bedeutet
Kanpai setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen: 乾 (kan, „trocken“) und 杯 (pai, „Becher“ oder „Schale“). Wörtlich bedeutet es also „trockener Becher“ – frei übersetzt: „Ex!“ oder „Leer trinken!“. Dasselbe Wort gibt es mit derselben Schreibweise auch im Chinesischen (gānbēi) und im Koreanischen (geonbae). Keine Sorge: Heute nimmt das niemand mehr wörtlich. Nach dem Kanpai reicht ein Schluck. Das Glas in einem Zug zu leeren, ist nicht nötig und bei vielen Japanern sogar ungern gesehen.
In Hiragana schreibt man das Wort かんぱい, in lateinischer Umschrift finden Sie sowohl kanpai als auch kampai. Beides meint dasselbe Wort – die zweite Schreibweise bildet nur die Aussprache genauer ab. Mehr zu den japanischen Schriftsystemen lesen Sie in unserem Artikel „Japanische Schrift – die 3 Systeme, die Sie kennen sollten“.
Die Aussprache: aus n wird m
Kanpai hat zwei Silben, und beide sind kurz und klar: kan-pai.
- Das n vor dem p: Im Japanischen passt sich das n an den folgenden Laut an. Vor p, b und m klingt es wie ein m. Sprechen Sie also ruhig „kam-pai“.
- Keine starke Betonung: Anders als im Deutschen gibt es keine stark betonte Silbe. Sprechen Sie beide Silben gleichmäßig, ohne eine davon zu verlängern.
- Das ai: Es klingt wie im deutschen „Mai“.
Bei Firmenfeiern wird „Kanpai“ meist laut und gemeinsam gerufen, oft begleitet von einem kräftigen Anstoßen. Gerade hier gilt: lieber mit Schwung als zu zaghaft. Weitere Tipps zur Aussprache finden Sie in unserem Leitfaden „Japanisch Aussprache“.
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Vor dem Kanpai: Otsukaresama und die erste Runde
In Japan beginnt kaum ein geselliger Abend ohne gemeinsames Anstoßen. Das gilt für das Treffen mit Freunden genauso wie für den Nomikai (飲み会), den Trinkabend mit Kolleginnen und Kollegen.
Toriaezu biru: erst mal ein Bier
In vielen Runden bestellt man zuerst für alle gemeinsam. Der Klassiker ist toriaezu bīru (とりあえずビール) – „erst mal Bier“. Das sorgt dafür, dass alle schnell etwas im Glas haben und gemeinsam anstoßen können. Trinken Sie kein Bier? Kein Problem: Ein Oolong-Tee oder eine Limonade ist völlig in Ordnung.
Warten, bis alle ein Glas haben
Die wichtigste Regel: Niemand trinkt, bevor das gemeinsame Kanpai ausgesprochen ist. Kommt Ihr Getränk zuerst, stellen Sie es einfach vor sich ab und warten Sie.
Otsukaresama desu
Unter Kollegen hören Sie vor oder statt „Kanpai“ oft „otsukaresama desu“ (お疲れ様です). Die Formel lautet etwa „Danke für Ihre Mühe“ oder „Gute Arbeit heute“ und würdigt den gemeinsamen Arbeitstag. Unter Freunden reicht die Kurzform „otsukare“!
Die kleine Rede davor
Bei Hochzeiten und Firmenfeiern hält meist eine ranghohe Person eine kurze Ansprache, das kanpai no aisatsu (乾杯の挨拶). Sie endet mit einem lauten „Kanpai!“ – und erst dann heben alle ihr Glas.
Am japanischen Tisch: Was beim Anstoßen zählt
Anderen einschenken, nie sich selbst
In Japan füllt man das Glas der anderen, nicht das eigene. Achten Sie also darauf, ob das Glas Ihres Sitznachbarn leer ist, und schenken Sie nach. Dieses gegenseitige Einschenken heißt oshaku (お酌). Umgekehrt wird Ihnen jemand nachschenken, sobald Ihr Glas leer ist. Wenn Ihnen jemand einschenkt, heben Sie Ihr Glas leicht an und halten Sie es am besten mit beiden Händen. Das gilt besonders gegenüber Vorgesetzten oder älteren Personen.
Das Glas etwas tiefer halten
Beim Anstoßen mit Ranghöheren, etwa mit der Chefin oder einem Kunden, halten Sie den Rand Ihres Glases etwas unterhalb des Glases des anderen. Das ist eine kleine, aber gern gesehene Geste des Respekts.
Genug getrunken? Glas voll lassen
Weil ein leeres Glas als Einladung zum Nachschenken gilt, lassen Sie es einfach halb voll stehen, wenn Sie nichts mehr trinken möchten. Wer abwinken will, kann außerdem höflich sagen: Mō kekkō desu (もう結構です) – „Danke, ich habe genug.“
Und vor dem Essen: itadakimasu
Steht zum Getränk auch Essen auf dem Tisch, sagt man vor dem ersten Bissen „itadakimasu“ (いただきます). Die Formel drückt Dankbarkeit für das Essen aus. Nach dem Essen folgt „Gochisōsama deshita“ (ごちそうさまでした). Mehr über Essgewohnheiten erfahren Sie in unserem Artikel Japanisches Essen – Was isst man in Japan?
Nützliche Sätze für den Abend in der Izakaya
- Kanpai! (乾杯!) – Prost!
- Otsukaresama desu! (お疲れ様です!) – Gute Arbeit heute!
- Toriaezu bīru de. (とりあえずビールで。) – Erst mal ein Bier, bitte.
- Mou ippai ikaga desu ka? (もう一杯いかがですか?) – Möchten Sie noch ein Glas?
- Oishii! (おいしい!) – Lecker!
- Mō kekkō desu. (もう結構です。) – Danke, ich habe genug.
- Okaikei onegaishimasu. (お会計お願いします。) – Die Rechnung, bitte.
Vier Fehler, die Deutschsprachigen beim Prost auf Japanisch passieren
- Vor dem Kanpai trinken: Der schnelle Schluck, weil das Bier schon da ist, wirkt in Japan unhöflich. Warten Sie, bis alle anstoßen.
- Sich selbst nachschenken: Was bei uns selbstverständlich ist, wirkt in Japan, als hätten die anderen Sie vernachlässigt. Füllen Sie lieber die Gläser Ihrer Nachbarn – dann kommt Ihres ganz von selbst an die Reihe.
- „Chin chin“ sagen: Was in Italien und Spanien ein harmloses Prost ist, hat in Japan eine ganz andere Bedeutung: „Chin chin“ ist ein kindlicher Ausdruck für den männlichen Geschlechtsorgan. Bleiben Sie also lieber bei Kanpai.
- Das Glas leer lassen, obwohl Sie nichts mehr wollen: Es wird sofort nachgefüllt. Wer aufhören möchte, lässt einen Rest stehen.
Mit Kanpai zum Anstoßen, Otsukaresama für die Kollegen und einem aufmerksamen Blick auf die Gläser Ihrer Nachbarn sind Sie für jeden Abend in Japan bestens vorbereitet. Und wenn Sie nach dem ersten Glas mehr als nur „Prost“ sagen möchten, hilft Ihnen die MosaLingua Japanisch App dabei, die wichtigsten Wörter und Sätze in nur wenigen Minuten am Tag zu lernen.
Waren Sie schon einmal bei einem Nomikai dabei? Erzählen Sie uns davon in den Kommentaren – kanpai!



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