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Prost auf Spanisch: ¡Salud! und was Spanier wirklich sagen

Magda Aktualisiert am 29 September 2026
Sie sitzen in einer spanischen Bar, alle heben das Glas – und Ihnen fällt nur ein zögerliches „Ähm“ ein. Prost auf Spanisch heißt vor allem ¡Salud!, aber damit fängt es erst an: ¡Chin chin! unter Freunden, ¡Salud, dinero y amor! bei Feiern, dazu ein Trinkspruch mit eigener Choreografie und ein paar Regeln, die niemand ausspricht. Hier finden Sie die wichtigsten Wendungen, die Aussprache, die Varianten Lateinamerikas und die kleinen Gesten, die einen Toast erst echt machen. Die Grundlagen dazu gibt es in unserem Leitfaden zum Spanisch lernen.
Prost auf Spanisch

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • ¡Salud! ist die universelle Antwort auf „Prost“ und funktioniert in Spanien genauso wie in ganz Lateinamerika.
  • ¡Chin chin! ist die lockere Variante unter Freunden, ¡Salud, dinero y amor! der Klassiker auf Feiern.
  • Für einen echten Toast brauchen Sie brindar por, niemals para: ¡Brindemos por nosotros!
  • Am Tisch gilt: Blickkontakt halten, erst anstoßen und dann trinken, und nie mit Wasser anstoßen.
  • In Lateinamerika hören Sie oft ¡Salucita! (Chile, Peru) oder ¡Fondo blanco! (Kolumbien).

Die kurze Antwort: ¡Salud!

Wenn Sie sich nur ein einziges Wort merken wollen, dann dieses: ¡Salud! Es heißt wörtlich „Gesundheit“ und funktioniert in jeder Situation – vom Familienessen bis zur Firmenfeier – in Spanien genauso wie in Lateinamerika. Sie können damit nichts falsch machen. Dass ausgerechnet die Gesundheit im Glas landet, ist übrigens kein Zufall: Auch das deutsche „Zum Wohl“, das englische „Cheers“ und das französische „À votre santé“ wünschen dem Gegenüber im Kern dasselbe. Die Aussprache ist unkompliziert, mit einer kleinen Falle am Ende: Das -d in salud wird in Spanien sehr weich gesprochen, fast wie ein englisches th in this; in vielen Regionen verschwindet es sogar ganz. „Salú“ klingt also nicht falsch, sondern muttersprachlich.

 

¡Chin chin! und die anderen Varianten

Spanischsprachige stoßen selten nur mit einem einzigen Wort an. Je nach Runde, Uhrzeit und Laune fällt die Wahl anders aus, und genau diese Bandbreite unterscheidet einen Lernenden von jemandem, der sich am Tisch wirklich zu Hause fühlt.

  • ¡Chin chin! – die lockere Variante unter Freunden, lautmalerisch benannt nach dem Klang der Gläser, ganz ähnlich wie das italienische cin cin. Etwas informeller als „¡Salud!“, aber genauso verbreitet.
  • ¡Salud, dinero y amor! – „Gesundheit, Geld und Liebe“, der Klassiker bei Geburtstagen und Hochzeiten. Manche hängen noch y tiempo para disfrutarlos an: „und Zeit, das alles zu genießen“.
  • ¡Por ti!/¡Por vosotros! – „Auf dich!“/„Auf euch!“, wenn dem Anstoßen eine konkrete Person gilt.
  • ¡A tu salud! – „Auf dein Wohl“, eine Spur feierlicher und in Reden beliebt.

Ein deutscher Reflex führt hier regelmäßig in die Irre: die wörtliche Übersetzung von „Zum Wohl“. Al bienestar sagt schlicht niemand. Wer die formelle Note treffen will, nimmt ¡A su salud! mit der Höflichkeitsform. Übrigens funktioniert das Nachbarland nach demselben Muster: Auch „Prost“ auf Französisch ist im Kern ein Gesundheitswunsch.

 

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Arriba, abajo, al centro, adentro – der Trinkspruch mit Choreografie

Es gibt einen spanischen Trinkspruch, den fast jede Runde kennt und der Neulinge am Tisch zuverlässig überrascht, weil er nicht nur gesprochen, sondern mitgemacht wird. Er lautet: arriba, abajo, al centro, adentro – „nach oben, nach unten, in die Mitte, hinein“.Zu jedem Wort gehört eine Bewegung mit dem Glas: hoch über den Kopf, hinunter Richtung Tisch, in die Mitte zu den anderen Gläsern, und beim letzten Wort wird getrunken. Die Reihenfolge ist nicht überall identisch, manche sagen pa‘ dentro statt adentro, und in Argentinien gilt die Formel heute eher als augenzwinkernd und verspielt denn als feierlich.

Zum Beispiel: Sie sitzen mit spanischen Kollegen beim Abendessen, und jemand hebt sein Glas und sagt „Arriba“. Wenn Sie die vier Wörter mitsprechen und die Gesten mitmachen, haben Sie in fünf Sekunden mehr Sympathie gewonnen als mit drei perfekt konjugierten Sätzen.

 

Einen richtigen Toast ausbringen: brindar por …

Sobald es über das bloße Anstoßen hinausgeht, brauchen Sie das Verb brindar („anstoßen, einen Toast ausbringen“) und die Präposition por. Die Konstruktion ist immer gleich: brindar por + das, worauf Sie anstoßen. Ein brindis ist entsprechend der Toast selbst.

  • ¡Brindemos por los novios! – Stoßen wir auf das Brautpaar an!
  • ¡Por nosotros! – Auf uns!
  • ¡Por muchos años más! – Auf viele weitere Jahre!
  • Quiero brindar por Marta, que hoy cumple cuarenta. – Ich möchte auf Marta anstoßen, die heute vierzig wird.
  • ¡Por la amistad! – Auf die Freundschaft!

 

Tipp: Merken Sie sich „por“ als feste Einheit mit dem Verb, nicht als einzelnes Wörtchen. Deutschsprachige greifen aus Gewohnheit zu „para“, weil beide im Deutschen „für“ bedeuten können, doch bei einem Toast ist ausschließlich „por“ richtig. Ein einziger auswendig gelernter Satz wie „¡Brindemos por nosotros!“ trägt Sie durch fast jede Feier.

 

Drei ungeschriebene Regeln am spanischen Tisch

Die Wörter sind das eine, der Ablauf das andere. Beim brindis gelten in Spanien ein paar Gepflogenheiten, die selten jemand ausspricht, die aber sofort auffallen, wenn man sie verletzt.

1. Blickkontakt ist Pflicht

Beim Anstoßen schaut man den Menschen, mit denen man anstößt, in die Augen. Wer stattdessen auf sein Glas oder ins Leere blickt, gilt schnell als unaufmerksam, und mancherorts sagt man dem sogar Unglück nach. Das kennen Sie aus Deutschland – in Spanien wird es genauso ernst genommen, oft in einer größeren Runde, in der reihum jeder mit jedem anstößt.

2. Niemals mit Wasser anstoßen

Das ist die spezifisch spanische Regel, die Besucher am häufigsten übersehen. Rund 30 Prozent der Spanierinnen und Spanier sind überzeugt, dass ein Toast mit Wasser Unglück bringt, und über 75 Prozent vermeiden ihn nach einer Erhebung von Nestlé España vorsichtshalber. Eine gängige Erklärung führt die Vorstellung auf die Antike zurück: Die alten Griechen brachten Wasser mit dem Fluss Lethe in Verbindung, aus dem die Toten tranken, um ihr Leben zu vergessen.

Praktisch heißt das: Wenn Sie keinen Alkohol trinken, nehmen Sie eine caña sin (alkoholfreies Bier), einen Saft oder eine Limonade. Das ist völlig normal, und niemand fragt danach. Wie Sie das an der Bar bestellen, steht in unserem Artikel zum Wortschatz rund ums Essen auf Spanisch.

3. Erst anstoßen, dann trinken

Wer vor dem gemeinsamen ¡Salud! den ersten Schluck nimmt, wirkt ungeduldig. Warten Sie, bis alle ein Glas in der Hand haben. Und stellen Sie das Glas nach dem Anstoßen kurz ab oder trinken Sie – einfach weiterreden mit erhobenem Glas wirkt seltsam.

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Mein Tipp als spanische Muttersprachlerin: Achten Sie weniger auf das Wort als auf die Runde. In Spanien wird beim brindis mit jedem einzeln angestoßen, nicht einmal kollektiv in die Mitte. Bei acht Leuten am Tisch heißt das achtmal Blick, Glas, ¡Salud! – Das dauert, und genau das ist der Punkt. Wer nach dem zweiten Glas aufhört und sich zurücklehnt, hat die Geste missverstanden. Und noch etwas: Wenn Ihnen jemand zuprostet und dabei Ihren Namen nennt, sagen Sie ihm den seinen zurück. Das ist die kleinste und wirksamste Höflichkeitsform, die Sie auf Spanisch lernen können.

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Lateinamerika: dieselbe Sprache, andere Rituale

¡Salud! versteht man von Mexiko bis Argentinien, doch daneben hat fast jedes Land seine eigene Variante entwickelt. Wenn Sie eine Reise planen, lohnt sich ein Blick auf die lokale Version – sie ist ein sicherer Eisbrecher.

  • Mexiko: ¡Salud! dominiert, oft mit einem angehängten „¡Arriba, abajo, al centro, pa‘ dentro!“
  • Argentinien und Uruguay: ¡Chin chin! ist sehr geläufig, ebenso ¡Salud!
  • Chile und Peru: Sie hören häufig die Koseform „¡Salucita!“, die den Toast freundlicher und persönlicher macht.
  • Kolumbien: ¡Fondo blanco! fordert dazu auf, das Glas in einem Zug zu leeren – das deutsche „Ex!“.

 

Diese Verkleinerungsform auf -ita ist typisch für weite Teile Lateinamerikas und färbt dort viel mehr als nur Trinksprüche. Wer sie einmal bemerkt hat, hört sie plötzlich überall: ahorita, un ratito, cerquita.

 

So klingt es richtig

Drei Aussprachehinweise, die Sie sofort umsetzen können. Salud trägt die Betonung auf der zweiten Silbe: sa-LUD, nicht SA-lud. Das anlautende „ch“ in „chin chin“ entspricht dem deutschen „tsch“ wie in „Tschüss“, nicht dem weichen „ch“ wie in „ich“.

Und brindis hat ein gerolltes r, das aber am Wortanfang nach b nur einfach angeschlagen wird – kein langes Rollen nötig. Sprechen Sie die vier Wörter salud, chin chin, brindis und brindemos ein paar Mal laut aus, am besten mit einem Glas in der Hand. Sie merken sich Vokabeln viel zuverlässiger, wenn Sie sie mit einer Bewegung verknüpfen. Wenn Sie ohnehin eine Reise vorbereiten, finden Sie in unserem Spanisch für den Urlaub die passenden Sätze für alles, was rund um das Glas noch dazugehört.

Und, worauf stoßen Sie beim nächsten Mal an? Wenn Sie noch eine Variante aus Ihrer Lieblingsregion kennen, schreiben Sie sie gern in die Kommentare – wir sammeln sie mit.