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Tschüss auf Französisch: warum salut nicht immer passt

Magda Aktualisiert am 25 September 2026
„Tschüss auf Französisch“ beantwortet jedes Wörterbuch mit au revoir, und lässt Sie genau dort stehen, wo es interessant wird. Im Deutschen ist „tschüss“ ein Allzweckwort, das zur Chefin genauso passt wie zur besten Freundin. Im Französischen gibt es dieses neutrale Wort nicht: jede Abschiedsformel verrät, wie nah Sie jemandem stehen. Hier finden Sie die drei Formeln, mit denen Sie überall durchkommen, den Zusatz, den Französinnen und Franzosen fast immer anhängen, und die zwei Wörter, die Sie besser gar nicht erst benutzen.
Tschüss auf Französisch

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Au revoir ist die sichere Standardwahl und passt in jeder Situation, vom Büro bis zur Bäckerei.
  • Salut gilt nur unter Vertrauten. Faustregel: nur dort, wo Sie die Person auf Deutsch duzen würden.
  • Ein französischer Abschied endet selten bei einem Wort: Man hängt fast immer bonne journée, bonne soirée oder bon week-end an.
  • Im Geschäft gehört die Anrede dazu: au revoir, madame statt eines nackten au revoir.
  • Aussprache-Falle: Das s in à plus wird gesprochen, in à plus tard bleibt es stumm. Und adieu meint auf Französisch ein endgültiges Lebewohl.

Die kurze Antwort, und warum sie nur die halbe Miete ist

Tschüss auf Französisch heißt „au revoir“. Wörtlich steht da „auf ein Wiedersehen“, und damit haben Sie die Auskunft, die jedes Wörterbuch liefert. Sie reicht für den ersten Tag in Paris völlig aus, denn mit „au revoir“ verabschieden Sie sich von wirklich jedem, ohne etwas falsch zu machen.

Interessant wird es bei dem, was die Wörterbücher gleich daneben schreiben. Dort steht nämlich fast immer auch „salut“, und genau dieser Eintrag führt Deutschsprachige regelmäßig in die Irre. „Tschüss“ ist im Deutschen ein Allzweckwort: Wir sagen es zur Nachbarin, zur Chefin und zur Bäckerin, und niemand zuckt. Im Französischen gibt es dieses eine neutrale Wort schlichtweg nicht. Jede Abschiedsformel trägt eine Information darüber mit, wie nah Sie der anderen Person stehen.

Für den Anfang genügen deshalb drei Formeln, und die decken schon fast jede Situation ab: au revoir als sichere Standardwahl, salut unter Freunden, à bientôt, wenn Sie sich bald wiedersehen. Alles Weitere in diesem Artikel ist Feinschliff, der Sie beim Französischsprechen weniger nach Lehrbuch klingen lässt. Wenn Sie ganz am Anfang stehen, finden Sie die restlichen Grundbausteine in unserem Überblick für Französisch für Anfänger.

 

Warum „salut“ eben nicht „tschüss“ ist

Salut ist das französische Wort, das im Unterricht am häufigsten falsch verwendet wird. Es funktioniert in beiden Richtungen, sowohl als Begrüßung als auch als Abschied, und ist damit auf den ersten Blick genau das praktische Allzweckwort, das wir suchen. Der Haken liegt woanders: Salut ist ausschließlich vertraut.

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Wer beim Verlassen einer Apotheke „Salut“ sagt, klingt nicht locker, sondern unpassend vertraulich – ungefähr so, als würde man eine fremde Verkäuferin in Deutschland duzen. Das Wort ist nicht unhöflich, es steht nur auf der falschen Stufe. Umgekehrt wirkt ein betont korrektes au revoir unter engen Freunden ein wenig steif, auch wenn es niemanden stört.

Die Faustregel: Würden Sie die Person duzen?

Es gibt eine Abkürzung, die im Alltag erstaunlich zuverlässig funktioniert, weil sie eine französische Unterscheidung an eine deutsche koppelt, die Sie ohnehin schon beherrschen. Fragen Sie sich einfach, ob Sie diese Person auf Deutsch duzen würden.

Wenn ja, also bei Freundinnen, Kommilitonen, Kindern oder jungen Leuten in der gleichen Runde, passt salut. Wenn nein, also im Geschäft, im Büro, bei Behörden, bei älteren Menschen und bei allen, die Sie nicht kennen, sagen Sie „au revoir“. Dieselbe Grenze gilt übrigens auch bei der Begrüßung, weshalb sich der Blick auf die französischen Begrüßungsformeln lohnt: Wer ein Gespräch mit „bonjour“ eröffnet hat, beendet es logischerweise nicht mit „salut“.

 

Ein Abschied endet in Frankreich selten bei „au revoir“

Das ist der Punkt, an dem die meisten Wortlisten aufhören und an dem echtes Alltagsfranzösisch erst beginnt. Ein nacktes au revoir ist grammatisch korrekt, klingt aber knapp, fast abweisend. In Frankreich hängt man fast immer einen guten Wunsch an, der sich danach richtet, was für die andere Person als Nächstes kommt.

Die wichtigsten Zusätze sind schnell gelernt, weil sie alle nach demselben Muster gebaut sind:

  • Bonne journée („einen schönen Tag“), tagsüber die Standardwahl.
  • Bon après-midi oder kürzer: Bon aprem („einen schönen Nachmittag“), nachmittags
  • Bonne soirée („einen schönen Abend“), ab etwa 18 Uhr. Wie sich das von bonne nuit unterscheidet, erklärt unser Artikel zu Gute Nacht auf Französisch.
  • Bon week-end („ein schönes Wochenende“), ab Freitagmittag.
  • Bonne route („gute Fahrt“), wenn jemand ins Auto steigt.
  • Bonne continuation („weiterhin alles Gute“), wenn jemand mit einer Sache weitermacht, die Sie gerade verlassen.

 

Die vollständige Formel lautet also nicht „au revoir“, sondern „au revoir, bonne journée“. Wer sich diesen Reflex angewöhnt, klingt sofort eine Spur französischer und das ganz ohne neues Vokabular.

Im Laden gehört die Anrede dazu

In Geschäften, Bäckereien und Arztpraxen kommt noch eine Kleinigkeit hinzu, die im Deutschen kein Gegenstück hat: die Anrede. Franzosen sagen dort nicht einfach au revoir, sondern au revoir, madame oder au revoir, monsieur. Das ist keine altmodische Höflichkeitsfloskel, sondern der normale Ton, und ohne die Anrede wirkt der Abschied schnell schroff.

Tipp: Üben Sie diese drei Bausteine eine Woche lang als einen einzigen Satz, statt sie einzeln zu lernen: au revoir, madame, bonne journée. Wenn Sie den Satz als Block im Kopf haben, müssen Sie ihn an der Kasse nicht mehr zusammensetzen, und genau dort fehlt einem sonst die Zeit zum Nachdenken.

 

Bis bald, bis später, bis morgen: die à-Familie

Neben au revoir und salut gibt es eine ganze Gruppe von Abschiedsformeln, die mit „à“ beginnen und jeweils sagen, wann man sich wieder sieht. Sie sind die eleganteste Art, einen Abschied persönlich zu machen, weil sie ein kleines Versprechen enthalten.

  • À bientôt – „bis bald“. Zeitlich offen, sehr häufig, auch im höflichen Rahmen.
  • À tout à l’heure – „bis später“, aber ausdrücklich noch am selben Tag.
  • À plus tard – ebenfalls „bis später“, etwas vager als „à tout à l’heure“.
  • À plus – die saloppe Kurzform davon, unter Freunden. In Nachrichten oft als A+ geschrieben.
  • À demain – „bis morgen“. Dasselbe Muster funktioniert mit jedem Zeitpunkt: à lundi, à la semaine prochaine.
  • À la prochaine – „bis zum nächsten Mal“, locker und angenehm unverbindlich.

 

Zum Beispiel: Sie verlassen mittags das Büro und kommen um drei zurück. Dann ist à tout à l’heure richtig, nicht à bientôt, denn Sie sehen sich in zwei Stunden wieder. Gehen Sie dagegen nach einem netten Gespräch mit einer Bekannten auseinander, ohne einen Termin zu haben, passt à bientôt. Und wenn Sie beides verwechseln, versteht Sie trotzdem jeder, weil der Sinn aus der Situation hervorgeht.

 

Aussprache: das eine Mal, in dem das s mitgeht

Zwei Dinge sollten Sie bei diesen Formeln im Ohr haben, und eines davon ist eine echte Fallgrube, weil dasselbe Wort je nachdem unterschiedlich klingt, was dahintersteht.

In „à plus tard“ bleibt das s von plus stumm, also ungefähr „a plü tar“. Sobald die Kurzform à plus allein steht, wird das s dagegen gesprochen, also „a plüss“. Es ist dieselbe Wendung, und trotzdem ändert sich der Klang, weshalb dieser Punkt in Lehrbüchern gern untergeht.

Bei au revoir ist der Knackpunkt das r, das im Französischen hinten im Rachen entsteht und nicht mit der Zungenspitze gerollt wird. Das Wort läuft außerdem als eine einzige Einheit durch, ungefähr „o rö-wuar“, ohne Pause zwischen „au“ und „revoir“. Und in „à bientôt“ bleibt das t am Ende stumm, „a bjä(n)-to“.

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Mein Tipp als französische Muttersprachlerin: Achten Sie einmal darauf, wie ein Abschied in Frankreich tatsächlich abläuft. Er besteht fast nie aus einem einzigen Wort, sondern aus einer kleinen Kette: allez, au revoir, bonne journée, à bientôt. Dieses „allez“ am Anfang ist ein Signal, das so viel wie „so, dann mal los“ bedeutet und ankündigt, dass man jetzt losgeht. Wenn Sie ein Gespräch beenden möchten und nicht wissen, wie Sie anfangen sollen, ist „bon, allez…“ der natürlichste Einstieg. Meine Mutter braucht danach am Telefon allerdings trotzdem noch zehn Minuten.

tschuss-auf-franzosisch-warum-salut-nicht-immer-passt-mosalinguaCéline

 

Zwei Wörter, die Sie besser liegen lassen

Zum Schluss zwei Einträge, die in Wörterbüchern stehen, aber im Alltag trotzdem Probleme bereiten. Beide sind nicht falsch; sie werden nur anders verwendet, als man es erwartet.

Adieu ist im Deutschen ein etwas altmodisches, aber harmloses Abschiedswort. Im Französischen hat es Gewicht: Es bedeutet, dass man sich nicht wieder sieht, und kommt in Filme, Trennungsszenen und Todesfälle vor. Wenn Sie es beim Verlassen eines Cafés benutzen, klingt das ausgesprochen dramatisch. Eine Ausnahme gibt es im Süden Frankreichs, wo adieu regional als lockerer Gruß beim Kommen und beim Gehen verwendet wird, ähnlich wie das italienische ciao.

Und weil wir gerade dabei sind: Ciao wird in Frankreich durchaus benutzt, meist als tchao geschrieben. Es funktioniert nur im gleichen Register wie salut, also ausschließlich unter Vertrauten. Im Geschäft wäre es genauso daneben.

Die beste Übung für all das kostet Sie keine Minute extra: Achten Sie beim nächsten französischen Film oder Video darauf, welche Formel am Ende einer Szene fällt, und vor allem, was direkt danach kommt. Sie werden merken, dass fast immer noch ein guter Wunsch angehängt wird. Wenn Sie danach Lust auf mehr Wendungen für den Alltag haben, finden Sie in unserer Sammlung französischer Sprüche gleich den nächsten Vorrat.