Mandarin vs. Kantonesisch

Die Unterschiede zwischen Mandarin und Kantonesisch

Kantonesisch und Mandarin sind zwei Varianten des Chinesischen, die jeweils eigene Charakteristika und Besonderheiten sowie eigene Geschichte und Kultur haben. Sie sind tatsächlich so unterschiedlich, dass sich Sprecher der jeweiligen Sprachen untereinander nicht verständigen können! Wollen Sie mehr darüber erfahren? Dann lesen Sie jetzt weiter! Beginnen wir mit einer kurzen Übersicht über jede dieser Varianten der chinesischen Sprache.

 

Mandarin

Wenn Menschen über „die chinesische Sprache“ sprechen, meinen sie meist Mandarin. Mandarin wird in China von über 900 Millionen Menschen gesprochen, was etwa 65 % der Gesamtbevölkerung Chinas entspricht. Es ist außerdem die meistgesprochene Sprache des Planeten!

Wer spricht Mandarin?

Mandarin wurde erstmals im 14. Jahrhundert unter diesem Namen erwähnt. Es wird in den meisten Regionen des chinesischen Festlandes gesprochen, hauptsächlich im Norden, aber auch in Taiwan und Singapur, wo es die offizielle Sprache ist. Obwohl in China, wie bereits gesagt, viele Varianten des Chinesischen gesprochen werden (und darüber hinaus 300 Minderheitensprachen), ist Mandarin die einzige offizielle Sprache der Volksrepublik China. Nachdem die Volksrepublik China Mitte des 20. Jahrhunderts gegründet worden war, wurde Mandarin-Chinesisch zur Standardsprache des Landes. Heutzutage wird es in China von der Regierung, aber auch in den Medien und der Bildung verwendet. Auch Muttersprachler anderer Dialekte, die eine andere Variante des Chinesischen sprechen (Kantonesisch, Shanghainesisch, Hokkien usw.), beherrschen meistens Mandarin als Zweitsprache.

Besonderheiten des Mandarin-Chinesisch

Mandarin hat vier bewegte Töne: (1) einen hohen; (2) einen aufsteigenden; (3) einen absteigenden-aufsteigenden; (4) einen absteigenden und dazu noch einen neutralen Ton.

 

Kantonesisch

Was ist Kantonesisch? Angeblich 220 v. Chr. entstanden, soll Kantonesisch viel älter als Mandarin-Chinesisch sein. Heute sprechen 90 Millionen Menschen auf der Welt Kantonesisch. Obwohl es in Zahlen seiner Schwesternsprache nicht besonders nahekommt, ist das doch keine unbedeutende Zahl an Sprechern! Kantonesisch ist die zweitmeistgesprochene Sprachvariante des Chinesischen.

Wer spricht Kantonesisch?

Kantonesisch wird in Hongkong, Macau, der Provinz Guangdong Chinas sowie in der autonomen Region Guangxi-Zhuang gesprochen.

Besonderheiten des Kantonesischen

Kantonesisch hat sechs Töne: (1) einen hohen flachen; (2) einen mittleren aufsteigenden; (3) einen mittleren flachen; (4) einen tiefen absteigenden; (5) einen tiefen aufsteigenden und (6) einen tiefen flachen Ton.

Die kantonesischen Töne werden in zwei Grundkategorien eingeteilt: in mittlere bis hohe Töne und in tiefe Töne. Dadurch ist es für deutschsprachige Menschen noch schwieriger zu lernen als Mandarin. Man muss nicht nur zwischen der Bewegung des Tones (auf- und absteigend, neutral) unterscheiden, sondern auch zwischen der mittleren bis hohen und der tiefen Tonlage.

Kantonesisch hat außerdem doppelt so viele Silben wie Mandarin: Da viele Mitglieder der chinesischen Diaspora geschichtlich gesehen aus kantonesischsprachigen Gebieten stammen, ist Kantonesisch die meistverwendete Variante des Chinesischen außerhalb Chinas. Aus diesem Grund, aber auch aufgrund der Geschichte Hongkongs als britische Kolonie, sind englische Lehnwörter im Kantonesischen üblicher als im Mandarin-Chinesischen.

Skyline von Shanghai

 

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Kantonesisch und Mandarin

Obwohl Kantonesisch und Mandarin technisch gesehen zwei unterschiedliche Sprachen sind, haben sie viele Gemeinsamkeiten. Beide basieren auf derselben grammatikalischen Struktur und teilen die Hälfte ihres Wortschatzes. Auch schriftlich sind sie gleich (mehr dazu in Kürze). Aber Sie fragen sich sicherlich, in welcher Hinsicht sich Kantonesisch von Mandarin unterscheidet?

Was ist der Unterschied zwischen Mandarin und Kantonesisch?

Wenn also Mandarin und Kantonesisch beide Varianten des Chinesischen sind, können Mandarin-Sprecher Kantonesisch verstehen und umgekehrt? Die Antwort lautet … Nein! Natürlich ist die Antwort nuancierter als das, denn in einem bestimmten Kontext und bei Konzentration können Kantonesisch-Sprecher vielleicht sehr wohl gesprochenes Mandarin verstehen. Das ist aber nicht die Norm. Mandarin-Sprecher verstehen kaum gesprochenes Kantonesisch. Daher lässt sich sagen, dass Mandarin und Kantonesisch füreinander unverständliche Sprachen sind.

Aber warum? Der größte Unterschied zwischen Kantonesisch und Mandarin liegt in der Aussprache beider Varianten. Mandarin und Kantonesisch haben jeweils eine ganz eigene Aussprache mit spezifischen Ausspracheregeln. Auch wenn Wörter gleich geschrieben werden, werden sie doch unterschiedlich ausgesprochen. Wenn das ein wenig verwirrend ist, betrachten Sie es aus dieser Perspektive: Manche Wörter werden zum Beispiel auf Deutsch und Englisch gleich geschrieben, klingen aber ganz anders: ideal, normal …

Es gibt außerdem einen großen Unterschied, was das Vokabular der beiden Sprachvarianten betrifft. Etwa die Hälfte der Wörter ist in Mandarin und Kantonesisch unterschiedlich (obwohl die sich unterscheidenden Wörter oft einen gemeinsamen Bezug haben). Was den lexikalischen Unterschied sowie die Aussprache und die Töne betrifft, gehen Kantonesisch und Mandarin weit auseinander.

 

Kantonesische Schrift vs. Mandarin-Schrift

Sowohl Kantonesisch als auch Mandarin verwenden in schriftlicher Form dieselben Zeichen, die auch als chinesische Standardschrift bekannt sind. Es ist die offizielle Schrift, die von Sprechern aller chinesischen Varianten zumindest für formelle Zwecke verwendet wird. Tatsächlich haben viele chinesische Varianten in der Umgangssprache eigene schriftliche Formen, die ihre einzigartige Grammatik und ihren Wortschatz besser widerspiegeln. Das gilt auch für Mandarin und Kantonesisch. Die chinesische Standardschrift wird verwendet, um sich in allen möglichen Situationen auf Chinesisch auszudrücken. Im Kantonesischen wird es auch in formellen Situationen verwendet, dann jedoch kantonesisch ausgesprochen. Dasselbe Wort kann in schriftlicher Form jedoch je nach verwendetem Dialekt unterschiedlich ausgesprochen werden.

Allerdings hat Kantonesisch viele idiomatische und grammatische Eigenheiten, zusätzlich zu einem sich unterscheidenden Wortschatz, für die die chinesische Standardschrift nicht ausreicht. Um das auszugleichen, gibt es im Kantonesischen eine Reihe zusätzlicher Schriftzeichen, die schriftlich verwendet werden. Die meisten davon findet man in den sozialen Medien, in Textnachrichten, aber auch auf Werbeschildern. Umgangssprachliches Kantonesisch wird in der kantonesischsprachigen Welt überall verwendet.

 

Ist Kantonesisch das traditionelle Chinesisch?

Es gibt zwei Arten von Schriftzeichen, die im Chinesischen verwendet werden: traditionelle und vereinfachte Schriftzeichen. Die vereinfachten Schriftzeichen wurden in den 1950er- und 60er-Jahren eingeführt, als die chinesische Regierung entschied, die Alphabetisierungsrate durch die Vereinfachung traditioneller Schriftzeichen zu erhöhen. Welche Schriftzeichen werden nun also im Kantonesischen und im Mandarin-Chinesischen verwendet? Es besteht das Vorurteil, dass Mandarin ausschließlich in vereinfachten Schriftzeichen geschrieben wird und Kantonesisch ausschließlich in traditionellen Schriftzeichen geschrieben wird, aber das stimmt so nicht.

Während Mandarin auf dem chinesischen Festland durchaus in vereinfachten Schriftzeichen geschrieben wird, aber auch in Singapur und Malaysia, wird es in Taiwan mit traditionellen Schriftzeichen geschrieben. Was Kantonesisch betrifft, wird es in Hongkong und Macau mit traditionellen Schriftzeichen, aber in Regionen des Festlandes (vor allem in den Provinzen Guangdong und Guangxi) mit vereinfachten Schriftzeichen geschrieben.

Um die Verwendung von traditionellen vs. vereinfachten Schriftzeichen zusammenzufassen: Die Verwendung variiert von Region zu Region und hängt nicht unbedingt von der jeweiligen Verwendung von Mandarin oder Kantonesisch ab.

Jedes dieser Schriftsysteme wird übrigens von Sprechern sowohl des Mandarin-Chinesischen als auch des Kantonesischen relativ leicht verstanden. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein Kantonesisch-Muttersprachler aus Hongkong, der in traditionellen Schriftzeichen schreibt, natürlich auch problemlos vereinfachte Schriftzeichen lesen kann.

Und wenn wir schon vom Schreiben sprechen …

Mandarin und Kantonesisch verwenden jeweils ein anderes System zur Darstellung ihrer Sprache in lateinischen Buchstaben. Damit ist die Verwendung unseres Alphabets zur Darstellung chinesischer Laute oder Schriftzeichen gemeint, die nicht nur von Chinesischlernenden, sondern auch von Kindern, die Chinesisch-Muttersprachler sind, genutzt wird. Das offizielle System zur Darstellung von Mandarin in westlicher Schrift ist Pinyin. Pinyin verwendet Akzentmarkierungen an den Buchstaben, um die vier Töne des Mandarin darzustellen.

Kantonesisch hat zwar kein offizielles westliches Schriftsystem, sondern zwei Systeme, die im Allgemeinen im Umlauf sind: Jyutping und Yale. Jyutping verwendet Zahlen, um die sechs Töne des Kantonesischen darzustellen, während Yale Akzentuierungen verwendet, ähnlich wie im Pinyin für die Darstellung des Mandarin. Heutzutage werden die meisten chinesischen Veröffentlichungen übrigens in Jyutping geschrieben.

Chinesische Mauer im Herbst

 

Sollten Sie Kantonesisch oder Mandarin lernen?

Jetzt, da Sie etwas mehr über Mandarin und Kantonesisch wissen, fragen Sie sich vielleicht, welche Variante Sie lernen sollten. Die Wahrheit ist, dass das natürlich ganz davon abhängt, warum Sie Chinesisch lernen möchten, sowie von Ihren Zielen, die diese Sprache betreffen. Hier ist eine Zusammenfassung von Gründen, die jeweils entweder für Mandarin oder Kantonesisch sprechen:

4 Gründe, um Mandarin zu lernen:

  1. Mandarin ist die standardisierte Variante der chinesischen Sprache;
  2. Es gibt viel mehr Lernmaterialien für Mandarin;
  3. Mandarin gilt als ein wenig einfacher zu lernen als Kantonesisch: Es hat weniger Töne zu lernen und verwendet hauptsächlich vereinfachte Schriftzeichen.
  4. Diese Sprachvariante lernen Sie mit unserer MosaLingua Chinesisch App.

4 Gründe, um Kantonesisch zu lernen:

  • Kantonesisch ist der altertümlichen Sprache Chinas ähnlicher und für Geschichtsinteressierte deswegen interessanter;
  • Es ist eine besonders bunt gemischte Sprache voller Slangausdrücke, Wortspielereien (und Tonspielereien), umgangssprachlicher Redewendungen … und einer sehr vielseitigen Auswahl an Schimpfwörtern ;-).
  • Die kantonesische Popkultur: Haben Sie schon von Bruce Lee oder Jackie Chan gehört?;
  • Zur Verständigung mit der chinesischen Diaspora.

 

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